Die Inklusensammlung von Otto Helm, Danzig
Schätze aus der „Blauen Erde“
Die Hauptlagerstätte des Baltischen Bernsteins liegt in einer Meeresablagerung. Nach dem Abtransport aus dem Bernsteinwald wurden die Harze durch Meeresströmungen weiter nach Süden verlagert und zusammen mit feinkörnigen Sanden weit entfernt von der Küste wieder abgesetzt. Erste Bergleute prägten für die im feuchten Zustand grünlich-blau gefärbten, nicht verfestigten Sande den Begriff „Blaue Erde“. Die Färbung rührt von kleinen Körnchen eines dunkelgrünen Eisenminerals her. In dieser Blauen Erde finden sich neben fossilen Meerestieren (Schnecken, Muscheln, Seeigel u. a.) große Mengen Bernstein. Sein Anteil kann bis zu 2,5 Kg pro Kubikmeter Sediment betragen.
Bernsteinführende Blaue Erde kennt man bis heute nur vom Samland, einer im früheren Ostpreußen, dem heutigen Kaliningrad-Distrikt in Russland, gelegenen Halbinsel. An deren Küsten liegen diese Schichten nur wenige Meter unter dem Meeresspiegelniveau und lassen sich landeinwärts weiter verfolgen. Bis ins späte Mittelalter wurde dort
Bernstein ausschließlich an den Stränden gesammelt. Im Jahre 1867 begann man, den Bernstein mit bergbaulichen Methoden im Tief- und Tagebau zu gewinnen. In 100-jährigem bergmännischen Abbau sind ca. 12 – 15.000 Tonnen Bernstein aus den samländischen Gruben, der größten Bernsteinlagerstätte der Welt, gewonnen worden. Die geschätzten Vorräte sollen noch ein Vielfaches der bereits geförderten Menge betragen.