Vortrag 18. Juni 2026

Zwischen „regionaler Sprachgemeinschaft“ und „Minderheit“ – Entwicklungen einer kaschubischen Identität nach 1945

 

Traditionelle Kleidung, kaschubische Küche, Tänze und Musik sind sicht- und hörbare Zeichen, die mittlerweile in nahezu symbolischer Ausstrahlungskraft die kaschubische Kultur zu repräsentieren vermögen. Sie knüpfen nicht nur an eine reiche Geschichte an, sondern finden auch in der Gegenwart Bedingungen vor, unter denen sie sich entfalten und die Konturen einer eigenen, gemeinschaftlichen Identität schärfen können. All dies ist, blickt man in die Vergangenheit zurück, keineswegs selbstverständlich. Es hängt von sozialen, politischen und kulturellen Prozessen ab, die eine Gemeinschaft sowohl nach innen zu binden als auch nach außen als Einheit mit eigenen Rechten im gesellschaftlichen Umfeld zu verankern vermögen. Diese Prozesse sind vor dem Hintergrund der Geschichte, die Nationalstaaten zu Minderheiten – oder allgemeiner: zu regionalen Gemeinschaften auf ihrem Staatsgebiet unterhalten – mannigfachen Kräften ausgesetzt und nicht selten ein Balanceakt. Der Vortrag möchte diesen historischen Voraussetzungen nachspüren und Entwicklungen einer kaschubischen Identität bis in die Gegenwart hinein skizzieren.

 


Die Referentin:
Bettina Schlüter, Prof. Dr., geb. 1967, Promotion 1996, Habilitation 2004, seit 2008 Professorin für Musikwissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, seit 2013 Leiterin der Abteilung Digitale Gesellschaft am Forum Internationale Wissenschaft der Universität Bonn. Forschungsschwerpunkte: kulturwissenschaftlich akzentuierte Fragestellungen zu musikalisch-klanglichen Phänomenen des 18. bis 21. Jahrhunderts, Digitale Kultur und Ästhetik