Kopernikus #550

Eröffnung am 9. März 2023, 19 Uhr
Laufzeit 10. März bis 28. Mai 2023

 

Legnica (Liegnitz): Wandbild am Marktplatz
© MOs810 (2015), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wie kommt neues Wissen in die Welt? Und wie lassen sich die bestmöglichen Bedingungen dafür schaffen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erlangen?
Fragen, die uns insbesondere auch in den Jahren der Covid-Pandemie intensiv beschäftigten, trieben die Menschen schon früher an.

Die „kopernikanischen Wende“ mit ihrer Ablösung des geo- durch das heliozentrische Weltbild stellt solcherart eine für die Menschheitsgeschichte ungemein wichtige neue Erkenntnis dar. Dass die Erde um die Sonne kreist und nicht mehr die Erde als Mittelpunkt des Universums anzusehen war, brach mit allen Vorstellungen des überlieferten Weltbilds und sollte weitreichende Folgen haben.

Nikolaus Kopernikus (19. Februar 1473 – 24. Mai1543), dem wir diese Erkenntnis verdanken, hatte gleichwohl gar nicht vor, eine geistesgeschichtliche Revolution anzuzetteln. Der Mann der Kirche wollte vielmehr die größtmögliche Annäherung an die philosophische Idealvorstellung der Antike – eine gleichförmige Bewegung der Himmelskörper auf perfekten Kreisbahnen. Dies schien am einfachsten möglich, wenn man die Positionen von Erde und Sonne im All tauschte.

Anlässlich seines 550. Geburtstages ehrt das Westpreußische Landesmuseum den in Thorn geborenen berühmten Mediziner, Astronomen, Domherren und Diplomaten mit einer Sonderausstellung. Die Ausstellung stellt einerseits die historische Person vor und bietet Einblicke in seine Lebenswelt, seine Wirkungsorte, sein Netzwerk und die revolutionären neuen Erkenntnisse des kopernikanischen Weltbildes.

In Kooperation mit der Stiftung Planetarium Berlin führen Nachbauten wissenschaftlicher Instrumente des 16.-18. Jahrhunderts dabei anschaulich vor Augen, welche Hilfsmittel Kopernikus und seiner Welt für ihre astronomischen Beobachtungen zur Verfügung standen. Die Ausstellung bietet eine erste Einführung in die Geschichte der Astronomie, die anhand der Objekte nachvollziehbar wird.

Der zweite Teil der Ausstellung fragt nach den Bedeutungen, die Kopernikus heute und früher zugeschrieben wurden. Denn auch die Kopernikus-Rezeption unterliegt Moden und den Sichtweisen einer bestimmten Zeit. Als Fallbeispiel dient hier Kopernikus‘ 500. Geburtstag 1973. Anlässlich dieses Jubiläums lassen sich ganz unterschiedliche Zugriffe auf die historische Person und ihr gedankliches Erbe von Akteur:innen aus der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen beobachten. U.a. polarisierte die Frage, ob Kopernikus als Deutscher, Pole oder Europäer zu betrachten wäre, die national geprägten Deutungsmuster.

Den Abschluss der Ausstellung bilden fünf Video-Interviews mit ausgewiesenen wissenschaftlichen Expert:innen, welche der Bedeutung des kopernikanischen Weltbildes für die Gegenwart nachgehen.

Die Ausstellung wird von einem umfassenden Themenportal im Internet begleitet, das in Zusammenarbeit mit dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg erarbeitet wurde und dort auch nach Ende der Ausstellung erhalten bleibt.