Aktuelle Projekte des Kulturreferates


Projekte des Kulturreferates für Westpreußen,
Posener Land und Mittelpolen 

 

2026


Lesung: Der Schmerz sprach Polnisch, das Gemüse Deutsch

30. Januar 2026, Westpreußisches Landesmuseum 18:00 Uhr, Eintritt 5,00 Euro       

Birgitta M. Schulte, Detmold

Adam geht mit seiner Frau Zuzanna als gelernter Dreher im Alter von 28 Jahren aus Westpreußen ins Ruhrgebiet, nach Dortmund. Er verlässt seine Heimat, aber nicht sein Land. Er hat die preußische Staatsangehörigkeit. Dennoch gibt es Anfeindungen, vor allem, als Zuzanna Arbeit sucht. Sie muss Geld verdienen, denn Adam hat zu Beginn des Romans (1893) einen Unfall und verliert auf einem Auge das Sehvermögen. Sie hat schließlich Glück und findet eine Anstellung als Näherin in einem reichen Haus, bei einem kinderlosen Ehepaar.

Adam, der als Handwerker eingewandert war und schnell zum Dreh-Herr aufstieg, leidet unter der Diskriminierung, die er als Pole erfährt. Deutsch werden oder Polnisch sein? Die aufgedrängte Frage macht ihm ein Gefühl von Zerrissenheit. Mehr noch leidet er unter der Ausbeutung und Schikane in den Arbeitsverhältnissen zur Zeit der Industrialisierung des Ruhrgebiets. Er wird Mitglied der Metallgewerkschaft und der SPD. Er grenzt sich ab gegen das um sich greifende Nationalpolentum und gegen die Manipulation durch polnische Geistliche. Darin wird er von Zuzanna unterstützt, dem SPD-Mitglied Adam folgt sie eher zögerlich.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ist für Adam und Zuzanna mit ihren inzwischen acht Kindern nicht leicht. 1918 wird auch in Dortmund ein Arbeiter- und Soldatenrat gegründet, die Bergleute sind auf den Straßen und kämpfen für höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten. Es gibt kaum etwas zu essen. Unruhe und Aufruhr herrschen, bis in Berlin von rechts geputscht wird und die alten Reichswehrtruppen auch in Dortmund einmarschieren. Terror und Blutvergießen vor Augen, stirbt Adam an einem Herzinfarkt.

Zuzanna muss weiterleben. Wieder gibt es kaum noch Lebensmittel als französische und belgische Soldaten das Ruhrgebiet besetzen. Selbst im Persönlichen muss sie das Unerwartete durchstehen. Der drittälteste Sohn reißt das polnisch bestickte Tuch in der Küche aus seiner Halterung, er versteht sich als Deutscher, nicht mehr als Pole. Es scheint, als ob sich die Pole von Adams Zerrissenheit auflösen.

Waren sie mehrfach auf der Welt oder einfach nur zerrissen? fragen sich die Figuren und fragt sich Birgitta M. Schulte. Das Schicksal ihrer Urgroßeltern spiegelt sich in den Erfahrungen des kommentierenden Ichs bald 100 Jahre später. Dabei geht es nicht nur um die Migra-tion in eine neue Sprachumgebung und verlangte nationale Identität, sondern auch um die Migration von einem sozialen Milieu in ein anderes. Ein Roman, in dem Birgitta M. Schulte das Leben ihrer Urgroßeltern anhand von historischen Studien nachzeichnet, literarisch anreichert und mit ihrer persönlichen Familiengeschichte verwebt.

Birgitta M. Schulte wurde 1951 geboren, wuchs in Ostwestfalen auf und lebt heute wieder in Detmold. Sie wurde Redakteurin pädagogischer Zeitschriften und Autorin bei der ARD für die Themenbereiche Bildung, Frauen, Umwelt und Archäologie. Sie hat vier Sachbücher veröffentlicht. Viele ihrer kurzen Geschichten sind in der Zeitschrift „Tentakel. Literatur aus OWL“ erschienen. 2019 erhielt sie den Stockstädter Literaturpreis anlässlich der Buchmesse im Ried. 


Lesung: Osterende 

23. Januar 2026, 18.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum, Eintritt 5,00 Euro      

Ulli Flessel, Stuttgart

Westpreußen, Spätsommer 1939. Freddy Rebuscheit und seine Kusine Frizi lieben sich – doch niemand darf es erfahren. Ebenso nicht, dass Freddys Schwester Mia epileptische An-fälle hat, denn die neuen Machthaber verfolgen ein gefährliches Gesundheitsideal. Die Familie steht nicht nur wegen des heraufziehenden Krieges vor großen Herausforderungen. Im Land Hadeln (Niederelbe) verzweifelt zur selben Zeit Henri Gerckens an seiner ersten Liebe. Gemeinsam mit seiner Tante Jette riskiert er sein Leben, um einem Regimegegner Unter-schlupf zu gewähren. Krieg und Flucht führen die Familien Rebuscheit und Gerckens 1951 zusammen. Als eine Heirat ihre Lebensläufe verknüpft, kommt zum Ausbruch, was sich über zwölf Jahre aufgestaut hat.

„Osterende“ ist ein unterhaltsamer und zugleich erhellender Familienroman. Geschrieben hat ihn Ulli Flessel: Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der ehemalige Lektor und Hochschul-professor Ulrich Huse, seit Anfang 2003 in Stuttgart wohnhaft. Nach zahlreichen Fachpublikationen hat Huse nun seinen ersten Roman veröffentlicht. Dem Autor gelingt es, die Zeitgeschichte mit dem Alltag seiner Figuren lebendig zu verknüpfen. Die multiperspektivische Er-zählweise von „Osterende“ erlaubt es Leserinnen und Lesern, das Geschehen aus unter-schiedlichen Blickwinkeln hautnah zu mitzuerleben. Rasch wird dabei deutlich, dass die Themen dieses Familienromans – Flucht, Ausgrenzung und persönliche Verantwortung – heute wieder brandaktuell sind.


Demokratie braucht Haltung: Hans Lucassen – Kurt Schumacher

12. Januar bis 1. März 2026 – Eröffnung der Ausstellung am 12. Januar um 15 Uhr im Westpreußischen Landesmuseum

Ein Ausstellungs- und Bildungsprojekt des Kulturreferates für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen und des Westpreußischen Landesmuseums für das Mariengymnasium Warendorf.

Ausstellungsort: Westpreußisches Landesmuseum

Kooperationsort der schulischen Projektarbeit: Mariengymnasium Warendorf

 

Demokratie ist mehr als ein politisches System – sie ist eine gemeinsame Aufgabe und eine Haltung, die auf Freiheit, Gleichheit und Verantwortung basiert. Diese Werte müssen immer wieder neu vermittelt und aktiv gelebt werden, besonders in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheiten und politischer Spannungen. Das Projekt „Demokratie braucht Haltung: Hans Lucassen – Kurt Schumacher“ lädt dazu ein, durch konkrete Lebensgeschichten über die Bedeutung demokratischen Handelns nachzudenken.

Im Mittelpunkt stehen zwei Persönlichkeiten, die auf sehr unterschiedliche Weise für Engagement, Mut und Menschlichkeit stehen: Hans Lucassen und Kurt Schumacher.

Hans Lucassen (1907–1995) war Gewerkschafter, engagierter Sozialdemokrat und überzeugter Europäer. Viele Jahre seines Lebens war er eng mit Sassenberg verbunden, wo er sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg für den Wiederaufbau demokratischer Strukturen einsetzte. Durch historische Dokumente, persönliche Erinnerungsstücke und biografische Materialien zeigt die Ausstellung, wie Lucassen politische Verantwortung verstand – als praktisches, alltägliches Handeln für die Gemeinschaft.

Von dieser lokalen Perspektive führt das Projekt weiter zu Kurt Schumacher (1895–1952), einem der wichtigsten politischen Köpfe der frühen Bundesrepublik. In Kulm (Chełmno) im damaligen Westpreußen geboren, wurde er nach Jahren der Verfolgung durch das NS-Regime zu einer zentralen Stimme für den demokratischen Neuanfang in Deutschland. Ausstellungstafeln, Fotografien und Quellen beleuchten seine politische Standhaftigkeit, seine moralische Integrität und seinen Beitrag zur Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie.

Der wichtigste Bestandteil des Gesamtprojekts ist die enge didaktische Zusammenarbeit mit dem Mariengymnasium Warendorf. Neben mehreren Ausstellungsbesuchen (bisher sind sieben fest eingeplant, weitere werden folgen) erarbeiten die Schülerinnen und Schüler in Workshops, Unterrichtseinheiten und eigenen Arbeitsgruppen die Inhalte zu beiden Biografien, setzen sich mit historischen Fragestellungen wie der Politiklandschaft in Warendorf nach 1945 auseinander und übertragen diese auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Besonders wertvoll sind die Zeitzeugengespräche mit Hanjo Lucassen und Prosper Schücking unter der Leitung von Magdalena Oxfort und Thomas Rossel, die persönliche Perspektiven einbringen und Geschichte unmittelbar erfahrbar machen. 

Am 22. Februar findet um 14.00 Uhr ein Zeitzeugengespräch im Westpreußischen Landesmuseum für die breite Öffentlichkeit statt, ein weiteres wird am 25. Februar im Mariengymnasium für die gesamte Jahrgangsstufe 10 und weitere interessierte Schüler:innen sowie Lehrer:innen folgen.

Die Ausstellung möchte zeigen, dass Demokratie nicht nur in Institutionen verankert ist, sondern im Handeln jedes Einzelnen. Die Lebensgeschichten von Hans Lucassen und Kurt Schumacher erinnern daran, wie wichtig Toleranz, Zivilcourage und Verantwortungsbewusstsein für ein gelingendes Miteinander sind – damals wie heute.

Das Projekt findet im Rahmen von „Demokratie leben lernen. Schulförderprogramm des Kreises Warendorf“ statt und wird aus dessen Mitteln unterstützt.

Projektleitung: Magdalena Oxfort (Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen) und Dr. Stephanie Taube (Mariengymnasium Warendorf).

 


Literatur für Liebhaber: Franz von Assisi

4. Januar 2026, 14.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum – Eintritt auf Spendenbasis

Marion von Hagen und Markus von Hagen

Franz von Assisi ist eine der populärsten Gestalten des Mittelalters und eine der beliebtesten. Sein Wirken hat bis heute großen Einfluss auf die Geschichte, nicht nur die der Kirche, die er gewaltig erschütterte, und die sich nicht anders zu helfen wusste, als ihn heilig zu sprechen. Marion und Markus von Hagen stellen sein literarisches Werk vor, das neben dem berühmten „Sonnengesang“ noch einiges Überraschende zu bieten hat, denn Franz von Assisi hinterließ viele Schriften. Diese wurden von kirchlicher Seite zensiert, zum Teil sogar verboten. Franziskus wollte ein konsequentes Leben in der Nachfolge Christi leben; das provozierte seinerzeit und tut es heute noch.

Thematisch und inhaltlich schlägt diese Veranstaltung auch eine Brücke von Warendorf nach Danzig, indem die Geschichte beider Museen – des Westpreußischen Landesmuseums und des Danziger Nationalmuseums – als ehemalige Franziskanerklöster gemäß § 96 Bundesvertriebenengesetz als Anknüpfungspunkt aufgegriffen wird.

Diese Veranstaltung wird vom Förderverein Kulturgut Franziskanerkloster Warendorf e.V. unterstützt.

Fotonachweis: Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen – Statue des Heiligen Franziskus im Franziskanerkloster in Danzig, Garten im Kreuzgang des Franziskanerklosters in Danzig


2025


10. WARENDORFER WEIHNACHTSPLÄTZCHEN

7. Dezember 2025, 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr – Eintritt frei!


Alfred Döblin: Reise in Polen (1924)

21. November 2025, 19.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum

2,50 Euro Eintritt

Lesung mit Stephan Schäfer, Köln

Aufgerüttelt durch pogromartige Ausschreitungen in Berlin im Jahr 1923 begann sich Döblin mit seiner jüdischen Herkunft zu beschäftigen und sich wie viele seiner Zeitgenossen für das sogenannte Ostjudentum zu interessieren. 1924 fuhr er im Auftrag der „Vossischen Zeitung“ von Berlin aus für etwa zwei Monate nach Polen und porträtierte die junge Republik mit ihrem damals noch blühenden jüdischen Leben. Vier Jahre vor dem Erscheinen seines berühmten Romans „Berlin Alexanderplatz“ nutzt Döblin bereits hier das Verfahren der montageartigen Zusammensetzung von historischen Exkursen und Statistiken mit aneinandergereihten alltäglichen Szenenfolgen und Reflektionen, um die Simultaneität des Geschehens auszudrücken.

Durch die im Laufe der Reise bei Döblin aufkommende Vertrautheit mit dem anfänglich Fremden wächst auch die Faszination für ein Ostjudentum, das sich in seiner Ursprünglichkeit, seiner noch erhalten gebliebenen Lebendigkeit des Geistig-Religiösen, von dem assimilierten und vergleichsweise verwässerten Judentum des Westens wesentlich unterschied.

Döblins Bericht ist ein bewegendes Zeugnis aus der Zeit vor dem deutschen Überfall auf Polen. Sein Blick gilt dem polnischen Katholizismus, z.B. in der Krakauer Marienkirche, Sozialem und Materiellem wie in den Textilfabriken in Lodz oder den eindrucksvollen Naturerscheinungen in Posen.


Tag der Danziger in Danzig

10. bis 12. Oktober 2025

Der Bund der Danziger e.V. lädt vom 10. bis 12. Oktober 2025 gemeinsam mit Partnerinstitutionen zu einem besonderen Begegnungswochenende nach Danzig ein. Anlass ist das zehnjährige Jubiläum des ersten offiziellen Treffens zwischen dem Bund der Danziger und der Stadt Danzig sowie das Gedenken an 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Ein Höhepunkt des Programms ist am Samstag der Vortrag des bekannten Danziger Schriftstellers und Literaturhistorikers Prof. Stefan Chwin in der Aula der Musikakademie. Unter dem Titel

„Danzig als ‘Hauptstadt’ des aufbegehrenden Polen: Solidarność als Hoffnung für die Menschen in Polen, Berlin und Europa“

spricht er über die historische und europäische Bedeutung der Solidarność-Bewegung.

Die Veranstaltung wird vom Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen gefördert. Kulturreferentin Magdalena Oxfort begleitet Prof. Chwin auch bei diesem Vortrag persönlich und übernimmt – wie bereits bei früheren Veranstaltungen – die Übersetzung.

Das vielfältige Rahmenprogramm mit Stadtführungen, Ausflügen ins Danziger Werder, Musikbeiträgen und Begegnungen mit Vertreter:innen der deutschen Minderheit lädt zum Austausch, Erinnern und gemeinsamen Erleben ein.


Schulpartnerschaft Mariengymnasium Warendorf – Technische Hochschule Marienburg: die Warendorfer Schule zu Besuch in Polen

28. September bis 3. Oktober 2025 in Marienburg (Malbork)

Seit vielen Jahren verbindet das Mariengymnasium Warendorf und die Technische Hochschule in Marienburg eine lebendige Schulpartnerschaft, die Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen über Grenzen hinweg ermöglicht. Vom 28. September bis 3. Oktober 2025 findet das nächste gemeinsame Treffen in Marienburg (Malbork) statt.

Im Mittelpunkt steht ein abwechslungsreiches Kultur- und Geschichtsprogramm, das die Schüler:innen zu bedeutenden Orten der Region führt: nach Frauenburg (Frombork), Zoppot (Sopot), Gdingen (Gdynia) und selbstverständlich nach Danzig (Gdańsk). Höhepunkt ist die Besichtigung der imposanten Marienburg, der größten Backsteinburg der Welt und einstigem Hauptsitz des Deutschen Ordens.

Neben den Exkursionen bietet das Programm viel Raum für persönliche Begegnungen: beim gemeinsamen Kochen, im direkten Austausch und durch das Kennenlernen der jeweils anderen Kultur. So entsteht ein intensives Miteinander, das Verständnis fördert und neue Freundschaften wachsen lässt.

Die Schulpartnerschaft wird seit Jahren von der Kulturreferentin für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen, Magdalena Oxfort, begleitet, gefördert und ist von ihr initiiert worden. Auch in diesem Jahr wird sie den Austausch vor Ort begleiten und inhaltlich unterstützen.

Im Februar 2026 folgt der Gegenbesuch in Warendorf, bei dem die polnischen Schüler:innen die Partnerstadt und ihre Kultur kennenlernen werden.


„Europäische Befindlichkeiten“ – Verständigungspolitisches Seminar

Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“, Bad Kissingen

7.–12. September 2025

Das Seminar „Europäische Befindlichkeiten“ widmet sich den vielschichtigen historischen, kulturellen und politischen Beziehungen zwischen Deutschland, Polen und Europa. Expert:innen aus Wissenschaft, Politik und Kultur laden die Teilnehmer:innen ein, aktuelle politische Fragen, historische Entwicklungen und kulturelle Zusammenhänge zu reflektieren und im interdisziplinären Dialog zu diskutieren.

Ein besonderer Fokus liegt auf der deutschen Geschichte in Danzig und den deutsch-polnischen Beziehungen. Die Kulturreferentin für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen, Magdalena Oxfort, wird hierzu zwei aufeinander aufbauende Vorträge halten: „Deutsche Geschichte in Danziger Museen I & II“. Sie eröffnet damit einen lebendigen Zugang zu den Spuren deutscher Kultur, Bildung und Politik in Danziger Museen und sensibilisiert für die komplexe, europäische Geschichte der Region.

Weitere Vorträge und Diskussionsrunden behandeln Themen wie die deutsche Einheit und ihre europäischen Dimensionen (Prof. Dr. Michael Gehler), aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen (Ulrich Feldmann, Herbert Danzer), die politische Lage in Russland (Herbert Danzer) sowie die deutsch-polnischen Beziehungen im Kontext europäischer Literatur (Manfred Mack).

Das Seminar bietet den Teilnehmer:innen die Gelegenheit, historische Kenntnisse, politische Analysen und kulturelle Perspektiven miteinander zu verknüpfen und auf diese Weise das Verständnis für europäische Befindlichkeiten und Verständigungsprozesse zu vertiefen.


20 Jahre Kulturreferat – Wir feiern!

Samstag, 5. Juli 2025, ab 18.00 Uhr

Innenhof des Tapetensaals, Warendorf

Mit Live-Musik von Michael van Merwyk & The Ollies

In Kooperation mit dem Kunstkreis Warendorf e.V.

Seit zwei Jahrzehnten engagiert sich das Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen für kulturelle Vermittlung, historische Bildung und internationalen Austausch.

Dieses Jubiläum möchten wir gemeinsam feiern – mit Musik, Kulinarik, Gesprächen, Rückblicken, Ausblicken und sommerlicher Atmosphäre. Mit langjährige Wegbegleiter:in, Freund:innen, Partnern und allen Interessierten – alle sind herzlich eingeladen, mit uns auf zwei Jahrzehnte gelebte Kulturarbeit anzustoßen!

Wir freuen uns auf einen offenen, lebendigen Festtag!

…hier folgen einige Impressionen des Festes:

 


Aktionstag Schule 2025

„Demokratie heute – von der Geschichte aus betrachtet“

3. Juli 2025, Westpreußisches Landesmuseum, Warendorf

Was bedeutet Demokratie heute? Wo erleben wir sie ganz konkret in unserem Alltag – und wo scheint sie uns zu fehlen? Wie sahen demokratische Werte aus der Perspektive von Menschen aus, die sich in besonders schwierigen historischen Zeiten für Freiheit, Menschenrechte und Zivilcourage eingesetzt haben?

Diesen und ähnlichen Fragen widmete sich der Aktionstag Schule des Kulturreferates für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen.

Am 3. Juli 2025 waren Schüler:innen der Jahrgangsstufe 10 des Mariengymnasiums Warendorf eingeladen, sich intensiv mit dem Thema „Demokratie heute – von der Geschichte aus betrachtet“ auseinanderzusetzen. Der Projekttag verband historische Recherche, Diskussion, Kreativität und digitale Medienarbeit.

Der Tag startete mit einer gemeinsamen Einführung und einer offenen Diskussion:

• Was bedeutet Demokratie für mich?

• Wo erlebe ich demokratische Teilhabe?

• Wo fühle ich mich ausgeschlossen?

• Welche Rolle spielt meine Stimme?

Im Anschluss arbeiteten die Schüler:innen in Arbeitsgruppen, die sich jeweils mit einer bedeutenden historischen Persönlichkeit befassten:



• Kurt Schumacher: Sozialdemokrat, Verfolgter des NS-Regimes, Mitgestalter der westdeutschen Nachkriegsdemokratie.

• Oskar Schindler: Unternehmer und Retter von über 1.000 jüdischen Menschen – ein Beispiel für Zivilcourage und moralisches Handeln in dunkler Zeit.

• Hans Lucassen: Weniger bekannt, aber nicht weniger beeindruckend – seine Biografie steht exemplarisch für demokratisches Engagement auf lokaler Ebene.

 

Die Gruppen nutzten Archivmaterialien, Online-Quellen und Literatur, um sich in die Biografien und den historischen Kontext einzuarbeiten. Ziel war es, die Lebensgeschichten und ihre demokratische Relevanz für unsere Gegenwart herauszuarbeiten. Dabei entstanden digitale Präsentationen.

Zum Abschluss präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse in einem moderierten Podiumsgespräch im Plenum. Hier diskutierten die Schüler:innen, welche Verbindungen sie zwischen den historischen Beispielen und aktuellen gesellschaftlichen Fragen erkannten:



• Was heißt es heute, Haltung zu zeigen?

• Wie gehen wir mit Ausgrenzung, Ungleichheit oder politischen Konflikten um?

• Welche Bedeutung haben historische Vorbilder für unsere Zeit?

 

Am Ende des Tages wurde deutlich, wie sehr sich die Auseinandersetzung mit historischen Persönlichkeiten auf das demokratische Selbstverständnis der Schüler:innen ausgewirkt hat – kritisch, reflektiert und mit Blick auf die Gegenwart. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie historisches Lernen demokratische Haltungen stärken kann – und wie wichtig es ist, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemeinsam zu denken.

 


Bundeskulturtagung der Landsmannschaft Weichsel-Warthe e.V. in Fulda

25. bis 29. Juni 2025

Die Bundeskulturtagung der Landsmannschaft Weichsel-Warthe e.V. 2025 verspricht ein bedeutendes Ereignis zu werden, das die kulturelle Identität und das Erbe der Mitglieder feiert.

Die Veranstaltung wird ein abwechslungsreiches Programm bieten, das Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden umfasst. Renommierte Referenten werden über die Geschichte der Region Weichsel-Warthe, die Erfahrungen der Vertriebenen und die Bedeutung der kulturellen Identität sprechen. Zudem sind interaktive Workshops geplant, in denen die Teilnehmer die Möglichkeit haben, traditionelle Handwerkskünste und Bräuche kennenzulernen und aktiv zu erleben. Ein besonderer Höhepunkt der Tagung wird ein festlicher Abend sein, der die Gemeinschaft stärkt und den Austausch zwischen den Generationen fördert. Die Kulturtagung der Landsmannschaft Weichsel-Warthe 2025 bietet somit eine wertvolle Plattform für den Austausch von Erfahrungen, die Stärkung der Gemeinschaft und die Förderung des kulturellen Erbes. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, an diesem besonderen Ereignis teilzunehmen und gemeinsam die Wurzeln und Traditionen der Landsmannschaft zu feiern.

Auf Einladung von Przemyslaw Zielnica, dem stellvertretenden Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe e.V., wird die Kulturreferentin Magdalena Oxfort M.A. über die grenzübergreifenden Maßnahmen in Mittelpolen und im Posener Land sowie auch über gemeinsame Projekte mit der Landsmannschaft Weichsel-Warthe e.V. und den Deutschen Minderheiten sprechen. Zudem wird es eine Beratungsstunde zur Förderung und Antragsstellung durch die Kulturreferentin geben.

Im Rahmen dieser Tagung wird die aus Fraustadt / Wschowa stammende Kunsthistorikerin und Lapidariums-Forscherin Marta Malkus ihren Vortrag „Der Altstädtische Evangelische Friedhof in Wschowa als Ort der Zähmung des Todes?“ halten. Magdalena Oxfort wird bei diesem Vortrag und der anschließenden Diskussion die Übersetzungstätigkeit übernehmen.

Des Weiteren sind im Rahmen dieser Tagung Gespräche zur Vermittlung der Kulturarbeit im Posener Land und Mittelpolen für Projekte die kommenden zwei Jahre vorgesehen.  

 


50 Jahre Westpreußisches Landesmuseum – Jubiläumswochenende in Warendorf

Szenische Führung mit Melchior Berger am 29. Juni 2025 und 15.00 Uhr und 17.00 Uhr

Das Westpreußische Landesmuseum feiert 2025 sein 50jähriges Bestehen, das mit einem umfangreichen Fest am 28. und 29. Juni 2025 begangen werden soll. Hierzu findet ein spannendes und vielfältiges Festprogramm statt!

Anlässlich dieses Jubiläums beteiligt sich das Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen mit einer szenischen Führung mit Melchior Berger am 29. Juni:

Markus von Hagen – Schauspieler, Kabarettist und feinsinniger Erzähler – schlüpft erneut in die Rolle des Melchior Berger. Nachdem er im vergangenen Jahr als Danziger Kaufmann des 17. Jahrhunderts das Publikum in die Geheimnisse der Danziger Tapisserie eingeführt hat, widmet sich Berger nun einem neuen Kapitel: den prächtigen Gold- und Silberschmiedearbeiten des Museums. Als Silberschmied des 19. Jahrhunderts nimmt er Sie in zwei (15 und 17 Uhr) kurzweiligen Darbietungen im Tapisserie-Saal mit auf eine Zeitreise in die Welt des kunstvollen Metalls und vermittelt dabei auf unterhaltsame wie kenntnisreiche Weise einen lebendigen Einblick in das kulturelle Erbe Westpreußens.

Ein Beitrag des Kulturreferates für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen.


Aspekte des Performativen und die Auseinandersetzung mit Krieg, Flucht, Vertreibung und Schmerz im Werk von Rebecca Horn

Kunstprojekt mit den Oberstufenkursen des Mariengymnasiums Warendorf

Januar bis April 2025

Rebecca Horn zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen der Konzeptkunst. Im Rahmen eines intensiven Kunstprojekts des Kulturreferates für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen setzte sich der Kunst-Oberstufenkurs des Mariengymnasiums der Kunstlehrerin Sonja Behrens mit dem Werk der 2024 verstorbenen Künstlerin auseinander. Die Auseinandersetzung war Teil des Abiturlehrplans für das Jahr 2025 und ermöglichte den SchülerInnen eine vertiefte Beschäftigung mit zentralen Themen des Schaffens von Rebecca Horn.

Zu Beginn erhielten die Teilnehmenden eine umfassende Einführung in die Body Art und Performancekunst, die einen zentralen Hintergrund für Rebecca Horns Werk bildet. Daran anschließend wurde das Gesamtwerk der Künstlerin betrachtet, das durch innovative Performances, mechanische Installationen und poetische Objekte und Schriften geprägt ist. Im Zentrum standen Horns künstlerische Reflexionen zu Krieg, Flucht, Vertreibung und Schmerz – Themen, die sich wie ein roter Faden durch viele ihrer Arbeiten ziehen.

Die Werke „Der Turm der Namenlosen“, „Konzert für Buchenwald“, „Inferno“, „Berlin Earthbound“, „Raum des verwundeten Affen“ sowie „Das gegenläufige Konzert“ standen dabei exemplarisch im Fokus. Letzteres wurde im Rahmen einer bereits im Vorjahr durchgeführten Exkursion nach Münster im Zwinger an der Promenade besucht. Die Begegnung mit dieser Installation – ein bedeutender Beitrag zu den Skulptur Projekten 1987/1997 – bot einen unmittelbaren Zugang zu Horns künstlerischer Sprache und ihrer Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur.

Zwischendurch arbeiteten die SchülerInnen in praktischen Einheiten, in denen sie sich kreativ mit frühen Performances und ausgewählten Installationen Rebecca Horns auseinandersetzten. Dabei entwickelten sie eigene Ansätze, sich den Themen Verletzlichkeit, Transformation und innerer Schmerz künstlerisch zu nähern.

Zum Abschluss des Projekts erarbeiteten die SchülerInnen individuelle Konzepte für eigene Installationen, die sich mit den Themen Krieg, Flucht und Schmerz in Bezug auf das heutige gesellschaftliche Klima beschäftigten. Ergänzend entstanden poetische Texte in Anlehnung an Horns sprachlich dichte und symbolhafte Schriften, insbesondere inspiriert von ihrem Werk „Das Wirbelsäulenorakel“. Die abschließende Präsentation der Arbeiten offenbarte nicht nur ein tiefes Verständnis für Rebecca Horns Werk, sondern auch eine beeindruckende Vielfalt persönlicher künstlerischer Ausdrucksformen.

 


Pommern – Westpreußen & Danzig – Ostpreußen: eine Reise nach Masuren.
Multi-Visions-Show von Roland Marske, Jules Verne Berlin

4. März 2025, 18.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum, Eintritt 5,00 Euro – nur Abendkasse

 

Pommern, Westpreußen, Ostpreußen. Die Namen der einst östlichsten Provinzen Deutschlands existierten jahrzehntelang fast nur in der Erinnerung ihrer ehemaligen Bewohner. In der Geschichte versunken und heute fast vergessen, klingen diese Länder wie ein ferner Mythos. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges sind sie polnisch und heißen jetzt Pomorze Zachodnie, Pomorze Gdanski und Mazury.

Es sind stille Landschaften, vom Massentourismus unentdeckt. Der Berliner Fotograf und Autor Roland Marske war hier der verlorenen Zeit auf der Spur. Seine Reise nach Masuren führte ihn durch Städte und Landschaften mit deutscher Vergangenheit und polnischer Gegenwart. Unterwegs sprach er mit den Menschen und fand Zerstörtes und Versunkenes, aber auch mühsam Bewahrtes und liebevoll Restauriertes. Und er hat sich faszinieren lassen vom Zauber Pommerns, dem „Land am Meer“, von Westpreußen, dem „Land an der unteren Weichsel“ mit seiner Hauptstadt, der „tausendjährigen Stadt“ Danzig, und natürlich von Ostpreußen, dem „Land der dunklen Wälder und kristallenen Seen“.

Diese einmalige Multi-Visions-Show ist eine einfühlsame Begegnung, die nicht nur Erinnerungen lebendig werden lässt, sondern Sehnsucht weckt, den Norden unseres Nachbarn Polens zu erkunden – die alten, malerischen Städte und Dörfer, Burgen, Schlösser und Herrenhäuser, die von der wechselvollen Geschichte erzählen, einsame Strände und die geheimnisvolle Schönheit der Seen und Wälder. Hier kann man die Seele baumeln lassen und sich mit dem Zug der Wolken in den Himmel träumen…

Fotonachweis: Roland Marske / Jules Verne Multivisionen

 

 


Iphigenie. Szenische Aufführung mit Jutta Seifert und Markus von Hagen

8. Februar 2025, 19.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum, Eintritt 5,00 Euro

 

„…und an dem Ufer steh ich lange Tage, das Land der Griechen mit der Seele suchend“

In einer Mischung aus Schauspiel, Rezitation und Schilderung der Hintergründe im lockeren Dialog stellen Jutta Seifert und Markus von Hagen eine der großen klassischen Heldinnengestalten der griechischen Mythologie vor: Iphigenie auf Tauris, in der Fassung von Johann Wolfgang von Goethe. Die Akteure verzichten auf Bühnenbild und Dekoration. Sie vertrauen auf die große Intensität der Sprache. Ein beliebiger öffentlicher Raum – z.B. ein Café, eine Bibliothek – wird zur Bühne, wird zu einem Ort für ein besonderes Literaturerlebnis. So ist die überaus dichte Handlung, diese Geschichte um göttlichen Fluch und menschlichen Verrat plötzlich hochaktuell, sie wird (be-)greifbar.

Eine Veranstaltung des Kulturreferates in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Kulturgut Franziskanerkloster Warendorf e.V.

 

 


Lesung: Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts

9. Januar 2025, 18.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum

Stephan Schäfer, Köln

 

Geschrieben in den Jahren 1822/23 gilt Eichendorffs berühmte Novelle als Höhepunkt „lyrisch-musikalischer Stimmungskunst“ seiner Zeit. Die Sehnsucht nach Freiheit bildet dabei das Leitmotiv. Ein Müller schickt seinen Sohn, den er einen Taugenichts schimpft, hinaus in die weite Welt. Als Ziel nur sein Glück vor Augen, führt ihn sein Weg durch deutsche Landschaften über Wien nach Italien. Für ihn ist es ein Lebensgefühl der Freiheit und Ungebundenheit, „auf Reisen zu gehen“. Neben dem singenden und fiedelnden Taugenichts bevölkern zahlreiche (Lebens-)Künstler die Novelle. Kontrastierend mit den Spießbürgern streben auch sie nach Individualität und Freiheit, distanzieren sich von den vorgegebenen Verhaltensmustern der arbeitenden bürgerlichen Gesellschaft. Sie blicken optimistisch und mutig in die Zukunft und lassen das Leben wander- und abenteuerlustig auf sich zukommen. Theodor Fontane und Thomas Mann sahen im Taugenichts den Urtyp des deutschen musischen Wesens. Ergänzt durch Informationen zum Autor und seinem Werk liest der Kölner Sprecher Stephan Schäfer ausgewählte Passagen der Novelle.

Stephan Schäfer studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover sowie an der Bremer Hochschule für Künste. Zur Vermittlung von Literatur und klassischer Musik gründete er 2001 das „Kölner Künstler-Sekretariat“. Inzwischen wurden von ihm über 1000 Lesungen und Konzerte gestaltet und moderiert. Neben Autorenportraits gilt hier seine besondere Leidenschaft historischen und zeitgenössischen Reisebeschreibungen. Mit Schwerpunkten auf Ländern, Städten und Regionen gastiert Stephan Schäfer bundesweit bei Literaturgesellschaften und auf Festivals, in Bibliotheken, Buchhandlungen und Museen. Themen-Lesungen, speziell für die jeweilige Lokalität konzipiert, führen ihn an für Lesungen eher untypische Orte wie Bahnhöfe, Hotels oder Gärten. Im fruchtbaren Dialog von Texten und Tönen schließlich rundet die Zusammenarbeit mit ausgewählten Musikern das vielseitige Programmangebot ab.