Vortrag am 14. 03. 2019

Donnerstag, 14.03.2019, 18:00 Uhr, Eintritt: 2,50 €


»Man tue, was man wolle!« – Ida Gerhardi
(1862 Hagen -1927 Lüdenscheid)
im Umfeld deutscher Künstlerinnen
in Paris um 1900

Referentin: Dr. Susanne Conzen, Lüdenscheid

 

Voller Enthusiasmus geht die in Hagen geborene Künstlerin Ida Gerhardi 1891 zum Studium nach Paris. In der pulsierenden Kunstmetropole der Jahrhundertwende taucht sie ein in die kreative Atmosphäre der privaten Akademien und Bohème-Kreise.

Ida Gerhardi, Selbstbildnis III, 1905, Städtische Galerie Lüdenscheid; Foto: Nicolas Schönherr

Ida Gerhardi, Selbstbildnis III, 1905, Städtische Galerie Lüdenscheid; Foto: Nicolas Schönherr

Während ihres langjährigen Parisaufenthaltes von 1890 bis 1912 schuf Ida Gerhardi nicht nur ihre qualitätvollsten Arbeiten, sondern sie stand in freundschaftlichem Kontakt und Austausch mit vielen Künstlerkolleginnen, deren künstlerisches Schaffen heute zum Teil kaum bekannt ist. Gemeinsam ist diesen Frauen ihr Durchsetzungsvermögen und Engagement, ihre Auseinandersetzung mit den „modernen“ künstlerischen Entwicklungen in einer Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

1904 lernte Ida Gerhardi in Paris Käthe Kollwitz (1867-1945) kennen und verkehrte regelmäßig im Kreis des Café du Dôme, aus dem sich u.a. die Bekanntschaft mit Maria Slavona (1865-1931), der Frau des Kunsthändlers Otto Ackermann, ergab. Die Wege von Gerhardi und Julie Wolfthorn kreuzten sich in beruflicher Hinsicht vermutlich mehrfach – möglicherweise bereits in München, während der ersten Ausbildungsjahre an der Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins, dann sicherlich in Paris an der „Colarossi“ und auch später im lebendigen Kunstbetrieb Berlins.

Académie Colarossi (re. Ida Gerhardi), Paris, um 1896; Foto: Privatbesitz

Académie Colarossi (re. Ida Gerhardi), Paris, um 1896; Foto: Privatbesitz

Durch ihre weit verzweigten Kontakte entwickelte sich Ida Gerhardi zu einer kenntnisreichen, geschickten Verhandlungspartnerin für KollegInnen, Kunstsammler, Galerie- und Museumsleiter zwischen Paris und Berlin. Sie setzte sich für ihre KünstlerkollegInnen ein, vermittelte Ausstellungen französischer Kunst in Deutschland und umgekehrt. Sie verkehrte mit einflussreichen Persönlichkeiten des Kunstbetriebs – Karl Ernst Osthaus in Hagen, in Berlin mit Hugo von Tschudi und dem Kunstsammler Eduard Arnhold. Eine schwere Krankheit zwang sie ihre künstlerische Arbeit zu unterbrechen und schließlich Paris zu verlassen. 1913 siedelte sie nach Lüdenscheid über, wo sie 1927 verstarb.

Die Referentin widmet sich in ihrem bebilderten Vortrag einigen Aspekten dieser ereignisreichen, vielfältigen und unkonventionellen weiblichen Künstlerkarriere. Die Städtische Galerie Lüdenscheid zeigte 2012 eine Ausstellung zu diesem Thema. Der begleitende wissenschaftliche Katalogband Ida Gerhardi – Deutsche Künstlerinnen in Paris um 1900 und die im gleichen Jahr erschienene Edition der Briefe Gerhardis vermitteln ein anschauliches Bild dieses außergewöhnlichen Künstlerlebens.

Dr. Susanne Conzen
Leiterin der Städtischen Galerie Lüdenscheid seit 2013. Studium der Kunstgeschichte, Romanistik und Pädagogik an der Universität zu Köln. 1991 Promotion. Wiss. Assistentin am Clemens-Sels-Museum Neuss. Freiberufliche Tätigkeit im Bereich Ausstellungskonzeption und Museumspädagogik. Seit 2004 freie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Museen der Stadt Lüdenscheid. Veröffentlichungen mit Schwerpunkt Kunst- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

 

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